Der Lotse schwimmt in neuen Gewässern

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Wie Käthe Kollwitz wollte er wirken. Nun wurde Thomas Fischle, der Leiter der Käthe­Kollwitz-Schule in Esslingen, in den Ruhestand verabschiedet.

Von Simone Weiß Esslinger Zeitung vom 24.07.2021

Esslingen. Viele Schüler behalten ihren Rektor als Hai oder Piranha in Erinnerung. Doch Thomas Fischle – darin waren sich alle Festredner einig – hat mehr als 22 Jahre lang die Käthe-Kollwitz-Schule in Esslingen fair-konstruktiv durch Strömungen, Wogen und Wellen geleitet. Nun wurde der 66-Jährige in der Sporthalle der beruflichen Schule in den Ruhestand verabschiedet. Seine Nachfolgerin ist die 54-jährige Susanne Rembach, die bisher an der Alexander-Fleming- Schule in Stuttgart tätig war.

Ruhestand? Mit dem Wort und dem Zustand kann Thomas Fischle noch wenig anfangen, wie er bei der Begrüßung seiner Gäste im Vorfeld der Verabschiedung verriet. Und überhaupt bleibt er bis zum Ende des Schuljahres Ende nächster Woche auf dem Posten. Dann geht er von Bord. Lotse ist er lange genug gewesen. Im April 1999 übernahm er die Leitung der Berufsschule mit ihren etwa 800 Schülern. Er sei eben immer „ein Kind der beruflichen Schulen“ gewesen, verrät der Vater zweier erwachsener Kinder. Schon mit 15 Jahren wollte er Lehrer werden. Damals hatte ein Pädagoge zu ihm und seiner Jahrgangsstufe gesagt: „Ihr seid die schlechteste Klasse, die ich je unterrichtet habe.“ Das war für Thomas Fischle Ansporn und Motivation. Der in Stuttgart Geborene und in Plochingen Aufgewachsene machte sein Abitur am Technischen Gymnasium in Esslingen, studierte dann Geografie und Mathematik in Karlsruhe, machte sein Referendariat an der heutigen Fritz-Ruoff-Schule in Nürtingen und absolvierte mehrere berufliche Stationen in Aalen und in Stuttgart.

Ein umtriebiger, ein kritischer, ein unbequemer Geist – das machten alle Redner deutlich. Landrat Heinz Eininger hob aber auch die menschliche Seite des Scheidenden hervor: Er sehe „Bildung als ein hochwertiges Kapital der Zukunft, das jedem zugänglich sein sollte“. Und 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise habe Thomas Fischle seinen Urlaub unterbrochen, um den Migranten in der Sporthalle der Berufsschulen ein Dach über dem Kopf zu verschaffen. Die nimmermüde Umtriebigkeit von Thomas Fischle stellte Martin Sabelhaus vom Regierungspräsidium heraus: Als er an der haus- und landwirtschaftlichen Schule in Aalen nur eine 75-Prozent-Stelle bekam, bildete sich Fischle, berufsbegleitend und in Ergänzung zu seinem Studium, zum Diplom-Mathematiker weiter.

Am Haus der Geschichte Baden-Württemberg bereitete der vielseitig Interessierte die Ausstellung „40 Jahre Baden-Württemberg“ mit vor, danach war er Schulreferent für haus- und landwirtschaftliche Schulen am Oberschulamt in Stuttgart. Doch den Löwenanteil seiner Berufsjahre verbrachte Fischle an der Käthe-Kollwitz-Schule. Das „Gesicht der Schule“ nannte ihn denn auch Ulrike Hauke-Kubel, die ihn in seinem Amt als geschäftsführender Schulleiter der Esslinger Berufsschulen ablöst. Musikalisch von Martina Njezic und Dominik Buchner untermalt, hing während der Abschiedsfeier ein Hauch von Wehmut in der Luft. Doch Thomas Fischle beruhigte alle Bedenkenträger: „Ich werde auch im Ruhestand mit meiner Zeit etwas anzufangen wissen.“

 

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